Bergmann, Anton Joseph (Antoine Joseph) - Straßburg

 

 

1776              Anton Joseph Bergmann wird am 21. Dezember 1776 in Warburg-Altstadt als Sohn des

   Hannoverschen Zinngießermeisters Julius Conrad Bergmann (* 28. September 1752 in

   Hannover; † 12. Januar 1826 wohl in Warburg) und dessen Ehefrau Anna Maria Helena Schiriak

   (Schyriack), verw.. Bade (* 27. Januar 1742; † 9. Februar 1811 wohl in Warburg) geboren.

 

1796              Anton Joseph (jetzt Antoine Joseph) zieht nach Straßburg und arbeitet dort als Geselle.

 

1800              Er heiratet am 26. Oktober 1800 die Sophie Christiane Rœssel (in Straßburg als Tochter des

   Jean Christian Rœssel jun. (*13. Mai 1740 in Temple Neuf, Straßburg), Kultus-Minister, und

   seiner am 18. November 1772 in Straßburg geheirateten Ehefrau Maria Elisabeth Imlin (* 4. April

   1751 in Temple Neuf, Straßburg) geboren).

   Trauzeugen sind Jacques Meyer, Nadelfabrikant, 35 Jahre alt, und Jean Daniel Senkeisen,

   Messerfabrikant, 34 Jahre alt.  

   Die Eltern von Johann Christian Rœssel jun. sind Johann Christian Rœssel sen. und Maria

   Magdalena Heitz, die am 17. Oktober 1731 geheiratet haben. Vater der Maria Magdalena Heitz

   ist Lorentz Heitz.

 

1801              Antoine Joseph Bergmann erlangt in Straßburg das Meisterrecht.

 

 

   Stempel des Antoine Joseph Bergmann: 

 

                                                                                                 

   Stadtzeichen Straßburg                                     Meisterzeichen                                       

 

                                    

   Marke für Feinzinn  

  

         

 

1804              Der Sohn Charles Théodore Bergmann wird am 13. Oktober 1804 geboren.

 

1830              Charles Théodore Bergmann heiratet am 1. Mai 1830 in erster Ehe die Sophie Madeleine

   Bœrsch (* 27. Mai 1808 in Straßburg als Tochter des Müllers Jean-Jacques Bœrsch), erwirbt

   das Meisterrecht und übernimmt die Werkstätte seines Vaters.

 

      Meisterzeichen Charles Théodore Bergmann 

 

 

1835              In dieser Ehe wird der Sohn Charles Bergmann am 8. Mai 1835 geboren.

 

1839              Am 15. März 1839 stirbt Antoine Joseph Bergmann in Straßburg.

 

1842              Sophie Madeleine Bergmann stirbt.

 

1844              Charles Théodore Bergmann heiratet in zweiter Ehe am 2. März 1844 die Sophie Elisabeth

   Mattes (* 11. Mai 1808 in Straßburg).

 

1845              Aus dieser Ehe ist der Sohn Emile Albert Bergmann (* 25. Januar 1845; † 9. Juli 1924).

 

1846              Theodor Wegmann (* 24. Februar 1825; † 25. Februar 1895) aus Braunschweig arbeitet als

   Geselle auf Wanderschaft vom Frühjahr 1846 bis Frühjahr 1848 bei Charles Théodore

   Bergmann als Graveur und Gießer.

 

1858              Charles Bergmann übernimmt die Werkstätte seines Vaters.

 

       Meisterzeichen des Charles Bergmann 

 

 

1860              Charles Bergmann heiratet am 12. Juni 1860 die Eugénie Imlin (* 21. Juli 1839).

 

1870              Er ist Mitglied der kommunalen Kommission und später Mitglied des Gemeinderates von

   Straßburg.

 

1880              Charles Théodore Bergmann stirbt am 26. Februar 1880.

 

1888              Charles Bergmann ist von 1888 bis 1902 Beigeordneter.

 

1904              Am 16. Mai 1904 stirbt Charles Bergmann.

 

1906              Der seit zehn Jahren bei Charles Bergmann arbeitende Eugene Marchand übernimmt die

   Zinngießerei und leitet sie mit seinem Bruder Florent Marchand (* 1861; † 1909) weiter in der

   Küfergasse 19 in Straßburg.

 

1914              Die Firma ist aufgelöst.

 

 

   Zinngerät des Antoine Joseph Bergmann:

 

          

   Suppenschüssel um 1810 Ø 22 cm                                              Kerzenleuchter, 21 cm hoch

 

 

                         

 

 

              gravierte flache Teller

 

 

          

                       Figuren:

 

      Fußbrettchen

 

   Im Bestand des Elsässischen Museums sind noch 200 Schiefer-Gussformen der Offizin Bergmann vorhanden.

 

   Paul Martin, damaliger Konservator des Historischen Museums der Stadt Straßburg schreibt dazu in der Figurina

   Helvetica und in "Die Zinnfigur" 1962 u. a.:

   "Diese Formen mit beidseitiger Gravur waren zum Guß flacher Figuren, größtenteils Soldaten in verschiedener Größe,

   bestimmt und bieten heute noch wertvolle Hinweise auf Uniformdetails.

   Aus jener Zeit (1743 - Österreichischer Erbfolgekrieg) besitzen wir mehrere Gießformen von Reitern und Fußsoldaten.

   Zwei Formen von Husaren im Galopp, sehr gut graviert, fünf Zentimeter groß, können mit einem berittenen Trompeter

   und einem bestimmt aus der gleichen Epoche gewählten Reiter, zusammengebracht werden. Von einem anderen

   Graveur stammend, gehören ein Musiker mit großer Trommel und ein Beckenschläger sicher zum Musikkorps eines

   französischen Infanterie-Regiments um die Mitte des Jahrhunderts (ungefähr sechs Zentimeter groß).

   Eine andere Serie ist durch fünf verschiedene Formen von Kroaten oder Panduren in österreichischem Dienst

   dargestellt, von denen die Form des berittenen Offiziers, des Fahnenträgers, des Trommlers, des Hornisten und eines

   Mannes vorhanden sind, alle in den malerischen und bunten, damals von den in den Grenzländern der Habsburgischen

   Monarchie ausgehobenen Einheiten getragenen Uniformen (etwa sechseinhalb Zentimeter groß).

   Eine dritte Serie, fast aus der gleichen Epoche, besteht aus etwa zehn Formen und aus sehr sorgfältig bemalten

   Abgüssen. Zunächst eine Kompagnie Grenadiere mit anscheinend tuchenen Grenadiermützen, die eine blaue Uniform

   mit zitronengelben Abzeichen tragen, im Schritt, aus einem berittenen Offizier, einem Offizier oder Unteroffizier mit

   Sponton, zwei Trommlern, einem Pfeifer, einem Fahnenträger und etwa 30 Grenadieren, Gewehr im Arm, bestehend.

   Die Füße der Typen sind noch in das Stehbrett versenkt. Anfänglich als Preußen betrachtet, scheint diese kleine

   Einheit eher eine süddeutsche Truppe darzustellen. In der Tat scheinen die Form der Grenadiermütze, die sehr spitz

   ist und ganz aus Tuch gefertigt zu sein scheint, wie auch der doppelköpfige Adler des Heiligen Deutschen Reiches auf

   den Fahnenblatt unsere Vermutung zu bestätigen. Die gleichen Formen existieren auch für Soldaten mit Hut. Gleicher

   Herkunft und fast in derselben Größe sind vier andere Formen vorhanden, die einen Offizier im Dreispitz und mit

   Sponton darstellen, einen Fußsoldaten, einen Kanonier mit Luntenspieß und einen größeren (etwa neuneinhalb

   Zentimeter) Fahnenträger von undefinierbarer Zugehörigkeit umfassen.

   Ein von zwei Hunden begleiteter Jäger und ein waldhornblasender Lakai, einige Hirsche, Rehe und laufende Hunde

   stammen aus einer Serie Formen für Jagdmotive aus der gleichen Epoche, jedenfalls auch vom gleichen Graveur. 

   Etwa zehn Reiter im Schritt, dabei ein Trompeter und ein (leider beschädigter) Standartenträger, in blauen Röcken mit

   roten Abzeichenfarben und gelblichen Westen, scheinen jüngeren Datums zu sein (etwa fünf Zentimeter große

   Figuren).

   Alle diese Formen scheinen großenteils später umseitig wieder benützt worden zu sein, und zwar etwa 100 Jahre

   nach ihrer Herstellung, um die leer gebliebenen Stellen des Schiefers für die Gravur neuer Zivil- oder Militärfiguren

   auszunützen, über die wir später noch sprechen werden. Dieser erneuten Verwendung alter Formen übrigens

   verdanken wir hauptsächlich die Erhaltung bis heute dieser seltenen und einmaligen Figuren.

   In diesem Zusammenhang ist eine große Form zu erwähnen, deren Ursprung auch älteren Datums ist und die eine

   Hälfte einer älteren Form darstellt, die für die Gravur des Königs Friedrich II. von Preußen zu Pferd, des "Alten Fritz",

   gedient hat, und zwar nach der bekannten zeitgenössischen Figur von J. G. Hilpert in Nürnberg. Wahrscheinlich

   stammt diese Form aus dem Jahr 1790 (etwa zwölf Zentimeter groß). Vermutlich kann man diese Figur, die leider

   beschädigt ist, der Straßburger Werkstatt des Vorgängers Anton Joseph Bergmanns und Gründers der bekannten

   Straßburger Zinngießer-Familie zuschreiben.

   Bruchstücke der Formenserie, eine Schäferei gegen Ende des Jahrhunderts darstellend, und eine Form eines an einen

   Baum gelehnten Schäfers, der die Flöte spielt, beschließen die Aufzählung der noch vorhandenen Formen.

   Für den flachen Zinnsoldaten und die Zinnfigur folgte in Straßburg eine Herstellungspause von etwa 30 Jahren.

   Wenigstens gibt es keine Spur von Formen oder Figuren in dem Zeitabschnitt zwischen 1790 und 1820/30.

   Schließlich muß die Werkstatt des Zinngießers Anton Joseph Bergmann, der in der Zeit zwischen 1800 und 1830

   gearbeitet hat, hauptsächlich aber diejenige seines Sohnes Karl Theodor (1830 - 1858) und seines Enkels Karl (1858 -

   1904) eine beträchtliche Anzahl von Gießformen für Soldaten- und Ziviltypen hergestellt haben, die wir noch besitzen,

   ohne die zahlreichen in Verlust geratenen Formen, die infolge Beschädigung oder wegen zu großer Schwierigkeiten

   oder noch infolge mangelnden Interesses verlorengegangen sind.

   Betrachten wir einmal das, was von dieser Offizin heute noch vorhanden ist. Dieser Überblick ist allerdings sehr

   lückenhaft. Die beiderseits geprägten Formen lassen auf eine sehr vielseitige Produktion schließen, deren Formen für

   Soldaten hauptsächlich der französischen Armee in ihren Uniformen während der Zeit von 1830 bis 1860 ungefähr

   gewidmet ist.

   Da ist ein General mit Dreispitz (dessen großer Federbusch nachträglich in der Form verdeckt wurde) auf sich

   bäumendem Pferd (sieben Zentimeter hoch). Weiter ein hübscher Offizier und ein Trompeter der Mameluken des

   ersten Kaiserreiches, ebenfalls zu Pferd im Schritt. Die dazu gehörigen Mannschaften sind leider nicht mehr

   vorhanden. An Kavalleriefiguren besitzen wir jedoch noch Kürassiere, Dragoner, Husaren und Lanciers in Formen und

   zum Teil bemalten und unbemalten Typenabgüssen, die um 1825 hergestellt sein müssen. Die Form eines

   Standartenträgers ist mit einer Kopfbedeckung graviert, die doppelte Verwendung ermöglicht, sei es als Jäger zu Pferd

   oder als andere Waffengattung.

   Von einer Serie Spahis um 1835 ist leider nur ein prächtiger Offizier im Galopp erhalten geblieben. Dagegen existiert

   noch eine ganz Serie Linien- oder leichte Infanterie mit ihrer Musik im Marsch in zwei Größen (4,6 cm und 3,6 cm);

   außerdem Infanteristen im Feuer, stehend schießend, knieend schießend und in Karreestellung mit gefälltem Gewehr.

   Aus der gleichen Zeit ist noch eine Serie Artillerie zu Fuß und zu Pferd, bemalt, im Schritt mit bespannten

   Geschützen größtenteils vorhanden, auch einige Kanoniere am aufgefahrenen Geschütz.

   Der folgende Zeitabschnitt ist durch Infanterietypen gekennzeichnet, welche den 1845 eingeführten langschößigen

   Waffenrock tragen. Es sind davon noch Formen und Figuren von Infanterie im Marsch und in Paradeaufstellung, frontal

   und in Rückansicht vorhanden.

   Glücklicherweise ist auch noch die unversehrte Form da eines Infanterie-Obersten zu Pferd in sehr schöner Haltung; in

   der Form ist der Name des Graveurs angegeben:"Th. Wegmann fecit 1846", dessen Name uns dadurch bekannt

   geworden ist und der zweifelsohne ein begabter und geschickter Künstler war (etwa acht Zentimeter hoch).

   ... können aber mit Sicherheit annehmen, daß er auch der Graveur der letzten Serie sechs Zentimeter großer

   Infanteristen ist.

   Diese Schieferformen sind, wie schon gesagt, zum Teil älteren Ursprungs und wurden später erneut um 1830/1850

   verwendet. Aber wir finden unter jenen Figuren zahlreiche von kleinerer Höhe, in der sogenannten Nürnberger Größe

   (30 bis 33 Millimeter).

   Die Vielfältigkeit dieser Typen ist erstaunlich. Erwähnen wir hier alle Infanterietypen im Marsch und auch die

   Kavalleriefiguren der Epoche 1830/1860, ebenfalls die älteren Typen (Mameluken des ersten Kaiserreiches, die

   Österreicher des Krim-Feldzuges (1854/1855) und des Feldzuges in Italien (1859). Auch ein komplettes Lager muß

   existiert haben, wie einige erhaltenen Gruppen und Zutaten, so zum Beispiel eine Marketenderin mit trinkenden

   Soldaten, es vermuten lassen.

   Die gleiche Vielfalt ist auch bei den Zivilfiguren festzustellen. So finden wir einen Bauernhof mit Haustieren und

   Geflügel, eine Schäferei, einen Bäckerofen, verschiedene Vorspanne, sogar ein vollständiges Bauernhaus mit

   Balkonen im Schweizer oder Tiroler Stil und den Bewohnern. Ferner Spaziergänger in einem Park, Kinder, die

   schaukeln und mit anderen Gegenständen spielen, Tische, Bäume, Sträucher. Auch die komplette Form eines Dampf-

   und eines Segelschiffes ist noch erhalten.

   Diese letztgenannte Serie von Formen von kleinen Figuren wirft eine merkwürdige Frage auf. In der Tat stellen diese

   Gravuren ganz genaue Kopien der Figurenserien dar, die zwischen 1840 und 1860 von der Firma Allgeyer in Fürth

   hergestellt worden sind. Handelt es sich hier einfach um in Straßburg gefertigte und in Verkauf gebrachte Kopien der

   von der bekannten bayerischen Firma geschaffenen Typen? Wir sind nicht davon überzeugt.

   Eine andere Vermutung  liefert vielleicht den Schlüssel zu diesem Rätsel. Wir wissen, daß Konrad Allgeyer sein

   eigener Graveur war und große Lieferungen von Figuren nach Frankreich getätigt hat (1843 - 1896). Andererseits

   wissen wir auch, daß nach Schließung des Geschäfts alle Formen verkauft wurden und ins Ausland gekommen sind

   (nach Hampe). Merkwürdig ist es allerdings, daß die gleichen Figurenformen gleichzeitig in Aarau und in Zürich

   festzustellen sind.

   Alle diese sowohl in der Schweiz als auch in Straßburg wieder aufgetauchten Formen stammen vielleicht aus Fürth.

   Ausgeschlossen wäre das jedenfalls nicht."

 

   Schraudolph hält dem u. a. entgegen:

   "... dass die Formen von Allgeyer erst nach Schließung der Firma, d. h. nach 1897 veräußert wurden und damals die

   Themen der Biedermeierzeit nicht mehr sonderlich aktuell waren. Allgeyer lieferte mit viel Erfolg vor 1870 seine Figuren

   nach Frankreich, Bergmann wird sehr wahrscheinlich diese Figuren gekannt haben - und kopierte sie? Er wäre nicht

   der Einzige gewesen, so kennen wir Kopien von Allgeyer oder Heinrichsen Figuren von Wehrli, Krause, Haffner u. a..  

   Denkbar ist aber auch ein Kontakt zwischen Allgeyer und Bergmann, so dass der eine etwa einen Teil seiner

   Gesellenzeit beim anderen verbrachte. In Frage kämen hierbei Charles Bergmann und Johann Friedrich Allgeyer."

 

 

   Quellen:

   Figurina Helvetica 1962

   Die Zinnfigur 1962

   Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971

   Erhard Schraudolph: "Zopfzeit, Befreiungskriege und Gesellschaftsgarten - Zinnfiguren zwischen Aufklärung und

   Restauration" in 75 Jahre Deutsches Zinnfigurenmuseum - Geschichte der Zinnfigur - Geschichte mit Zinnfiguren,

   Freunde der Plassenburg e. V. 2004

   Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

   Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band VII (Süddeutsche Zinngießer III),

   Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921- 1931

   Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

   Erwin Ortmann: Zinnfiguren einst und jetzt, Edition Leipzig 1973

   Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

   Ahnenforschung.net-Forum, Mitglied Renate Kespelher - Vielen herzlichen Dank für die Hinweise!

   Adolphe Riff: Les Ètains Strasbourgeois du XVIe au XIXe Siècle, A. F. Kahn, Strasbourg 1925 

 

 

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