1938/1939 Gleichzeitig wird eingetragen:
In Abwicklung.
Abwickler: Josef Pölloth, Abteilungsleiter in Nürnberg.
Rechtsverhältnisse: Durch Beschluß der Hauptversammlung vom 13. Februar 1939 ist die
Gesellschaft aufgelöst.
Die Gesellschaft wird durch einen Abwickler verteten.
Der gestellte Konkursantrag wird am 21. August 1939 mangels Masse kostenpflichtig
zurückgewiesen (§ 1 Abs. II des Ges. v. 9.10.1934 RGBl. No. 914).
Die Firma wird gemäß § 2 des Gesetzes vom 9.10.1934 RGBl. 914 von Amts wegen per
1. September 1939 gelöscht.
Als neuer Eigentümer der damit arisierten Anwesen ist im Adressbuch von Nürnberg des Jahres
1940 eingetragen: E. Inselberger, Fabrikant.
Die Deutsche Spielwarenzeitung vom Mai 1938 meldet zu diesem Vorgang:
"Dem Zuge der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik im völkischem Sinne folgend, hat der
Leiter der Fachgruppe Spielwaren- und Christbaumschmuck-Industrie Nürnberg, Herr Voelk, der
Inhaber der Firma Johann Distler KG., die Firma "Vereinigte Spielwarenfabriken", Andreas Förtner
& J. Haffner's Nachf. GmbH Nürnberg, als persönlich haftender Gesellschafter einer von ihm
gegründeten Kommanditgesellschaft erworben.
Wir geben der Überzeugung Ausdruck, dass diese Umstellung nicht nur den Vereinigten
Spielwarenfabriken Nürnberg, sondern auch der gesamten Spielwarenindustrie zum Vorteil
gereichen wird."
1939 Die Fabrikation der Wiegewaagen, Gewichte, Registrierkassenabreißer usw. wird von der Firma
Georg Brandstätter (Geobra), Nürnberg, die für ihre eigene Kollektion solcher Spielzeuge
bekannt ist, übernommen.
1940 Dr. Martin Erlanger (* 27. März 1902), ehemaliger Rechtsanwalt am Landgericht und
Oberlandesgericht in Nürnberg, der Neffe und spätere Alleinerbe von Max Erlanger, der bereits
nach Montevideo (2384 Garcia Cortinas) geflüchtet war, schickt im September 1940 einen Scheck
über 250 $ an den Freund von Max Erlanger, Eugen Vogler (Leiter der Spielwarenabteilung des
Kaufhauses Jelmoli) in Zürich um Max Erlanger die Schiffsreise nach Uruquay zu ermöglichen.
Max Erlanger emigriert am 23. Dezember 1940 nach Montevideo (Uruquay). Er wohnt dort bis zu
seinem Tod in der Gregorio Suarez 2831 c/o Mensajeria El Rayo.
Der zweite Neffe, Dr. Ludwig Erlanger (Bruder von Dr. Martin Erlanger) muß 7.000 RM
Judenabgabe für die Auswanderung seines Onkels bezahlen.
Am 19. April 1940 stirbt der Kommerzienrat und ehem. Nürnberger Handelsrichter Stefan Bing in
England (128 Watchfield, Sutton-Court Road, Chiswick, London W 4) an einer Herzattacke.
1942 Zum 4. November 1942 ist der Kommanditist Dr. Karl Wegler aus der Firma Vereinigte
Spielwarenfabriken Andreas Förtner & J. Haffner's Nachf. KG., Nürnberg ausgeschieden.
Der Geschäftsführer Fritz Feuerbacher in Nürnberg ist als Kommanditist mit einer Einlage von
87.500 RM in die Gesellschaft eingetreten.
Die Einlagen der Kommanditisten sind erhöht und zwar die des Kuno Kaiser auf 105.000 RM; des
Kurt Wutzler auf 87.500 RM; des Rudolf Röß auf 70.000 RM; des Dr. Max Welsch auf 52.500
RM; der Maria Regina Holzhausen und der Dorothea Helena Insam je auf 61.250 RM.
1945 Das Anwesen Kobergerstraße 15 ist zwar etwas beschädigt aber nicht zerstört.
1948 Die Erben der ehemaligen jüdischen Eigentümer (Hermann Georg Oppenheim, Franz Bing und
Lilly Sommer, geb. Bing, die Kinder von Stefan Bing) strengen am 8. Juli 1948 über den
Rechtsanwalt Dr. Georg Wurzer, Nürnberg, Wiedergutmachung und Rückerstattung des 1938
arisierten Firmenvermögens an.
1949 Mit Niederschrift vom 4. Mai 1949 wird ein Vergleich zwischen den alten und neuen Eigentümern
vor dem Bayer. Landesamt für Wiedergutmachung vereinbart.
Ernst Voelk schreibt in einem Brief vom 23. Juli 1958 an das Bayer. Landesentschädigungsamt u.
a.: "Zweifellos ist Ihnen bekannt, daß über dieses gesamte Vermögen Rückerstattungsansprüche
geltend gemacht wurden und das Verfahren durchgeführt wurde, mit dem Endergebnis für die
jüdischen Vorbesitzer, daß sie 58 % der GmbH-Anteile rückerstattet erhielten. Allerdings wurden
diese Anteile von mir sodann käuflich zurückerworben, sodaß heute keinerlei Ansprüche mehr
bestehen."
Vergleichs-Unterlagen
(Abschrift)
Bericht
Juni
1949
(aus
"Das
Spielzeug")
Katalog
1949
-
Titelblatt
1950 Ab 17. Januar 1950 wird die Firma in Ernst Voelk KG. umbenannt.
Die Prokuren Ernst Beyer und Rudolf Insam sind erloschen.
Die Gesamtprokura des Max Epperlein ist in Einzelprokura umgewandelt.
Per 19. Januar 1950 erfolgt gemäß dem am 4. Mai 1949 vereinbarten Vergleich eine Änderung in
Trix Vereinigte Spielwarenfabriken Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Nürnberg.
Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung und der Vertrieb von Spiel- und Metallwaren,
insbesondere von Trix-Metallspielwaren, Präzisionsinstrumenten und Lehrmitteln und dergl., ferner
die Fortsetzung des unter der Firma Vereinigte Spielwarenfabriken Andreas Förtner & J.
Haffner's Nachf., Kommanditgesellschaft in Nürnberg betriebenen Fabrikationsgeschäftes.
Grund- oder Stammkapital: 260.000 DM.
Geschäftsführer: Ernst Voelk, Direktor in Nürnberg.
Rechtsverhältnisse:
Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist errichtet am 12. Dezember
1949. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so wird die Gesellschaft durch mindestens zwei
Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer und einem Prokuristen vertreten. Die
Gesellschafterversammlung kann jedoch, falls mehrere Geschäftsführer bestellt sind, bestimmen,
daß einer oder mehrere von ihnen allein zur Vertretung der Gesellschaft befugt sind. Als erster
Geschäftsführer, mit dem Rechte der Alleinvertretung ist bestellt Direktor Ernst Voelk in Nürnberg.
Am 24. Januar 1950 ist Einzelprokura erteilt dem Kaufmann Max Epperlein in Nürnberg.
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