1854 Johann Haffner legt vor dem Anwesen Nr. 333 ein Trottoir an, das gleichzeitig das erste seiner
Art in Fürth überhaupt ist, das sich aber, weil es aus Marmorplatten besteht, wegen seiner Glätte
nicht bewährt.
Kapitel Hauseingang Haus Nr. 333 (am 31.3.2007) mit dem Engel als Symbol für Engels-Zinn
Beispiel
Figuren-Packung
"Inkjerman"
Beispiel
Figuren-Packung
"Camp
in
Kentuky"
Beispiel
Figuren-Packung
"Camp
in
Virginia"
1856 Konrad Haffner, der bei seinem Vater "die Zinngießerprofession" erlernt hat, wird am 5. Januar
1856 von der Lehre freigesprochen.
1858 Johann Haffner überläßt offensichtlich die Geschicke der Firma seinem Sohn Konrad Haffner,
da er im Fürther Adressbuch von 1859 als Privatier verzeichnet ist. Die Zinngießerei firmiert aber
unter "Johann Haffner, Zinngießer"; Konrad Haffner ist noch nicht Meister.
1860 Haus Nr. 333 wird durch Umnummerierung zu Alexanderstraße 1.
1861 Am 11. Juli 1861 wird Konrad Haffner aus der Armeepflichtigkeit wegen Untauglichkeit
entlassen (Größe 170 cm, Haare und Augenbrauen braun, Stirne breit, Augen blau, Nase und Mund
proportioniert, Bart blond, Kinn und Gesichtsform oval sowie schlanker Körperbau).
1862 Konrad Haffner wird am 8. März 1862 "der Prüfung für den Betrieb des Zinngießer-Gewerbes
unterworfen, und hat solche in der Art bestanden, daß er für Befaehigt zum selbständigen Betrieb
dieses Gewerbes in allen Gemeinden des Königreiches befunden wurde, und wird dabei bemerkt,
daß Prüfungskandidat sich namentlich durch sein vorzügliches Zeichnen und Gravieren der Formen
zu Zinnfiguren das Prädikat "ausgezeichnet" verdient hat."
Am 12. März 1862 gibt er zu Protokoll, daß er sich in Fürth als Bürger und Zinngießermeister
ansässig machen möchte und bittet "gehorsamst" um Zuteilung einer "neuen derartigen
Conzession".
"Da ich beabsichtige, das Zinngießergewerbe lediglich durch Verfertigung von Zinnfiguren zu
betreiben, dieser Theil des Gewerbes aber von der Art ist, daß eine Beeinträchtigung der bereits
conzessionierten hiesigen Zinngießermeister durch Verleihung einer neuen Conzession an mich
nicht stattfindet, indem dieser Fabrikationszweig den bedeutendsten Absatz auf dem Handelswege
findet so dürfte mein Gesuch um so weniger einem Einwande unterliegen, als auch bei meiner
nachgewiesenen außergewöhnlichen Befähigung in diesem Fabrikationszweig die vollkommene
Eignung meines Nahrungsstandes nicht zu bezweifeln sein wird. Aber auch die Mittel zum
schwunghaften Betriebe des von mir beabsichtigten Geschäftes sind mir geboten, indem ich von
meinem Vater zur Begründung meiner Beschäftigung den baren Betrag von 1.500 fl. erhalte und
dieses Vermögen durch Eingehung einer vortheilhaften Heirath auf angemessene Weise zu
vermehren mir in Aussicht steht."
Er gehört der Freien Gemeinde an und will "zur protestantischen Religion zurückkehren".
Ein weiteres Gesuch wird von ihm am 23. April 1862 zu Protokoll gegeben:
"Nachträglich zu meinem unlängst gestellten Conzessions- und Ansässigmachungsgesuche
erlaube ich mit noch zu bemerken, daß ich beabsichtige, die ledige und kinderlose Kunigunde
Babette Christophine Heerdegen [* 1. Juli 1837], Tochter des Chirurgen Wilhelm Heerdegen
von hier zu heirathen, welche mir ein elterliches Vermögen von 1000 fl., dann eine Ersparniß von
500 fl. in die Ehe bringt."
Er bittet, ihm die Eheerlaubnis zu erteilen.
Am 24. April 1862 und am 10. Mai 1862 bekommt Konrad Haffner eine neue Zinngießer-
konzession, die Eheerlaubnis sowie das Bürgerdekret.
Der in vollständiger Uniform und Waffen am 10. Mai 1862 vorgestellte Bürger und Zinngießer
Konrad Haffner wird "mustermäßig befunden und der 1ten Füsilier-Compagnie des 1ten
Bataillons des kgl. Landwehrregiments einverleibt".
Am 5. August 1862 trägt er dem Stadtmagistrat vor: "Es wurde mir zwar in jüngster Zeit die
Conzession zum Betriebe des Zinngießergewerbes auf Ansuchen verliehen, ich mache jedoch
hiervon noch keinen selbständigen Gebrauch, werde auch in der nächsten Zeit, wie bisher, in dem
Geschäfte meines Vaters, des Zinngießermeisters Johann Haffner dahier verbleiben".
Am 6. August 1862 wird Konrad Haffner zum Meister gesprochen.
1865 "Hans Haffner, Fabrikant aus Fürth" absolviert einen Kuraufenthalt in Bad Kissingen.
Am 26. Oktober 1865 wird dem "Zinngießer Joh. Haffner" vom Stadtmagistrat Fürth die
"Bauconcession No. 1237 zur Erbauung eines massiven Wohnhauses" in der Mathildenstraße 14
erteilt. Der eingereicht Plan sieht den Bau eines einstöckigen Hauses mit Dachgeschoß und Erker
vor. Bereits am 3. Dezember 1865 ändert der "Zinnfigurenfabrikant J. Haffner" seinen Plan und
erhält die "Bauconcession No. 1249 für Erhöhung respect. Umänderung des Erkers in ein
komplettes Stockwerk auf sämtlichen Umfassungswänden".
Das Anwesen existiert heute noch im ursprünglichen Zustand einschließlich der Rückgebäude;
lediglich wurde nach dem Juni 1908 im Erdgeschoß ein Ladengeschäft (Stern-Apotheke), im
Dachgeschoß Gauben und auf dem Erkerdach eine Figurengruppe (die jetzt nicht mehr vorhanden ist)
errichtet.
Mathildenstr. 14 (später 28) am 31.3.2007 Rückgebäude am 31.3.2007
1867 Johann Haffner und J. C. Allgeyer sind auf der internationalen Ausstellung zu Paris vertreten.
Friedrich Pecht schreibt in seinen Pariser Briefen (Kunst und Kunstindustrie auf der Weltausstellung
von 1867) u. a.:
"Selbst bei den so weltberühmten nürnberger Spielwaaren zeigt sich das letztere durch eine
Ausstellung, die im Verhältniß zur Wichtigkeit dieses Gewerbzweiges wirklich nicht ärmlicher und
geschmackloser arrangiert sein könnte. Hätten die Herren doch lieber gar nicht ausgestellt, als
so, wie es ihrem Credit nur schaden kann. Sie mögen nur hierher kommen und sehen, wie
Franzosen und Engländer, auch Oesterreicher aus dem unbedeutendsten und ärmsten Artikel
etwas zu machen, ein Bild des Ueberflusses daraus zu gestalten wissen. Wenn einer hier
silberne Löffel ausstellt, so verbraucht er hierzu Hunderte, ja Tausende so dicht nebeneinander,
daß sie ein einziges Meer von Glanz darstellen, alle Blicke auf eine namhafte Entfernung schon
auf sich ziehen und blenden, als wenn man in ein Feenreich mit silbernen Wellen käme. Ein
biederer Nürnberger oder Schwabe würde in solchem Falle unfehlbar sich mit einem Stück
begnügen, höchstens ein halb Dutzend möglichst weit auseinanderrücken, damit ja keiner wirke,
gerade so, wie sie jetzt, wenn sie 200 Gattungen Bleisoldaten haben, genau 200 Stück
ausstellen, statt eine ganze Armee in Feld zu stellen."
Haffner erhält [trotzdem] für seine ausgestellte Ware, verschiedene plastische und flache
Soldaten-Figuren und andere Gegenstände eine Preismedaille.
Die Zahl der Beschäftigten hat sich von zu Anfang 10 auf 90 bis 100 Arbeiterinnen und Arbeiter
erhöht; den größten Anteil haben hier die Heimarbeiterinnen, die die Figuren bemalen.
Der Betrieb verbraucht für die nur durch Handarbeit erfolgende Figurenproduktion jährlich ca. 500 -
550 Zentner Zinn und Blei und verschickt ca. 200.000 Spanschachteln mit Figuren aller Art in die
ganze Welt.
1868 Im Reisehandbuch für Bayern ist vermerkt: "Joh. Haffner, Zinnfigurenfabr., bes. massive
Zinnfiguren mit schöner Ausstattung von Farbendruckbildern, ungefähr 50 Pers. Abs. nach allen
Richtungen."
1871 Johann Haffner wohnt als Privatier in der Mathildenstraße 14.
1872 Die Figurenfabrikation wird in die Mathildenstraße 14 verlegt; der Sohn Konrad Haffner
leitet jetzt den Betrieb und firmiert unter Johann Haffner, Inh. Conrad Haffner.
Die Werkstatträume in der Alexanderstraße 1 werden nun von Conrad Gustav Adolf König, der
Luise Haffner, eine Tochter von Johann Haffner, geheiratet hat, als Zinngießerei genutzt.
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