Kohnstam (Kohnstamm), Moses - Fürth
   
1839

Moses Moritz Kohnstam wird am 2. Mai 1839 in Miltenberg (Bayern) geboren als Sohn und einziges Kind des Salomon Kohnstam (*1788 in Niedwerrn) und dessen am 13. Mai 1838 in Mainbernheim geheirateten zweiter Ehefrau Babette (Brendel), geb. Kohn, Tochter des Kaufmannsehepaars Moses und Etta Kohn aus Fürth.

   
1851 Salomon Kohnstam stirbt am 9. November 1851 in Miltenberg.
   
1852 Die Witwe Babette Kohnstam schickt Moses Kohnstam zu ihrem Bruder David Kohn, der Kaffeesurrogatfabrikant in Fürth ist [Kaffeesurrogate, pflanzliche Stoffe, die gerottet (karamelisiert) nach Ausziehen mit Wasser ein kaffeeähnliches Getränk liefern].
   
1854 Im Mai 1854 beginnt Moses Kohnstam eine Kaufmannslehre bei Joseph Pfeifer Morgenstern (* 1818), der eine Kurzwarenhandlung en gros in Fürth No. 261 betreibt.
   
1864 Vor der Prüfungskommission des Fürther Stadtmagistrats schließt Moses Kohnstam seine kaufmännische Ausbildung mit der Note "sehr gut" ab und ist damit für den "Betrieb des kaufmännischen Detailhandels" qualifiziert.
Im Herbst erhält er das Bürgerrecht und heiratet Babette Klein (* 10. Februar 1844 in Bischberg bei Bamberg), Tochter des Hopfenhändlers in Bamberg Löb Klein (* 6. Juni 1812 in Memmelsdorf; † 2. Januar 1884 in Bamberg) und dessen Ehefrau Karoline, geb. Goldmann (* 1817 in Bischberg; † 14. April 1894 in Bamberg).
  Das Ehepaar hat die Kinder:
Siegfried Kohnstam (* 24. Juli 1866; † 12. September 1868),
Mina Kohnstam (* 13. August 1867; † 12. September 1868),
Willy Kohnstam (* 16. Juni 1869),
Ida Kohnstam (* 14. Juli 1871; heiratet am 12. Mai 1895 den Hamburger Kaufmann Hermann Elias (* 4. Juli 1867 in Hamburg, † 29. Dezember 1938 in Hamburg); stirbt am 31. Dezember 1954 im Kibbutz Alonim, Nord Distrikt, Israel),
Julius Kohnstam (* 2. Februar 1873),
Helene Kohnstam (* 20. Juli 1874; heiratet am 23. Mai 1897 den Nürnberger Kaufmann Theodor Rosenthal (* 16. Dezember 1866, † 14. Dezember 1914); heiratet als Witwe John Theilheimer (* 29. November 1870 in Hamburg; † nach 1942 im Ghetto Lodz); stirbt am 7. Juli 1942 im Ghetto Lodz),
Sofie Kohnstam (* 6. Februar 1877; heiratet am 10. Juni 1897 den Fürther Kaufmann Julius Büchenbacher (* 12. Juli 1862 in Fürth, † 28. März 1921 in Fürth); zieht am 18. Oktober 1933 nach München, meldet sich per 5. Mai 1939 nach Hamburg ab, beantragt im Februar 1941 in Köln ein Kennkarte, wird von dort in das Ghetto Lodz deportiert und ermordet) und
Emil Kohnstam (* 19. Juli 1880; † 1958).
   
1865

Am 3. Januar 1865 wird die Firma M. Kohnstam in das Firmenregister des Amtsgerichts Fürth eingetragen.

Inhaber der Firma ist Moses Kohnstam, Kaufmann in Fürth, der die Firma mit einem Startkapital von 4000 Gulden gründet.

   
1873

Moses Kohnstam kauft lt. Urkunde des Notars vom 17. Januar 1873 von dem Schreiner Anton Schaller um 35.000 fl. und 50 fl. Entschädigung das 1853 erbaute Haus Nr. 14 in der Fürther Friedrichstraße.

   
  Er wird in die Freimaurerloge "Zur Wahrheit und Freundschaft" aufgenommen.
   
1884 In London wird eine Filiale eröffnet. Im Business Directory of London ist eingetragen: "Kohnstam M factor and merchant of fancy goods &c &c. Fürth Bavaria 24 Milton st Cripplegate EC"
   
 

Den Kaufleuten Moritz Böhm und Karl Redelsheimer, beide in Fürth, wird per 18. August 1884 Collectivprocura erteilt.

   
  Die Nürnberger Kurz- und Spielwarenfirma John Campe & Co. wird übernommen.
   
1889 Der 1873 geborene Julius Kohnstam ist ab September 1889 in London ansässig, heiratet später die Phoebe Gertrude Paget (* 1893 in Paddington, Greater London;† 27. August 1935 im Elmhurst Nursing Home, Bexley, Kent), Tochter von Robert Boyfield Paget; hat mit ihr den Sohn Richard Kohnstam (* 11. Juni 1918 in Kingston upon Thames, Greater London; † August 1985 in Bristol, England); stirbt 1935 in Surbiton, Greater London.
   
1892

Zum 10. Oktober 1892 wird Willy Kohnstam, Kaufmann in Fürth, als weiterer Prokurist ermächtigt, gemeinschaftlich mit einem der bisherigen beiden Prokuristen die Firma zu zeichnen.

   
     Werbemarke um 1900
   
1896 Moses Kohnstam meldet in England eine Sparbüchse zum Patent an.
   
     Patent Nr. 15.285
   
1898 Das Firmengebäude in der Nürnberger Straße 56 und 58 wird fertiggestellt.
   
     Handelshaus Nürnberger Straße 56/58
   
1900

Ab 1. Juni 1900 wird die Einzelfirma in die offene Handelsgesellschaft M. Kohnstam & Co. umgewandelt.

Der Sitz der Firma ist weiterhin Fürth; eine Zweigniederlassung ist in London.

Gesellschafter sind Moses Kohnstam, Kaufmann in Fürth, Willy Kohnstam, Kaufmann in Fürth und Julius Kohnstam in London.

Kollektivprokuristen bleiben Moritz Böhm und Karl Redelsheimer, beide Kaufleute in Fürth.

   
     Etikett um 1900
   
Willy Kohnstam heiratet im September 1900 Martha Kohn (* 18. April 1878 in Bamberg), die eine Mitgift von 130.000 Mark in die Ehe einbringt.
  Das Ehepaar hat die Kinder:
Totgeburt (ca. 1902),
Hans Stefan Kohnstam (* 19. September 1903; † 25. Juli 1990 in München) und
Ernst Kohnstam (* 10. Mai 1909; † 1998 in Queens County New York).
   
1905

Moses Kohnstam ist zum 21. Dezember 1905 aus der Gesellschaft ausgeschieden.

Carl Schmidt, Kaufmann in Nürnberg, hat Einzelprokura, die per 27. Dezember 1905 in eine Gesammtprokura geändert wird; er ist nun berechtigt, zusammen mit einem der beiden anderen Prokuristen die Firma zu vertreten und zu zeichnen.

   
1910 Die Prokura des Moritz Böhm ist per 5. Januar 1910 erloschen.
Babette Kohnstam, geb. Klein stirbt am 20. August 1910 in Freudenstadt.
   
1911

Emil Kohnstam, Kaufmann in Fürth, tritt ab 18. Dezember 1911 als weiterer Gesellschafter in die Firma ein.

   
1913 Moses Kohnstam stirbt am 25. Mai 1913 in Konstanz (Baden-Württemberg).
   
 
  Anzeige in der Fürther Zeitung vom 27. Mai 1913
   
1915

Zum 13. November  1915 ist die Gesamtprokura des Karl Redelsheimer und Carl Schmidt erloschen.

Dem Kaufmann Karl Redelsheimer in Fürth ist Einzelprokura erteilt.

   
1917

Ab dem 29. September 1917 wird die Gesamtprokura dem Kaufmann Karl Redelsheimer in Fürth wieder erteilt.

Durch Entschließung des k. Staatsministeriums des k. Hauses und des Äußeren vom 8. September 1917 No. 12853 wird das gesamte im Inlande befindliche Vermögen des Kaufmanns Julius Kohnstam in London, insbesondere seine Beteiligung an der Firma M. Kohnstam & Co. in Fürth auf Kosten der Eigentümer zwangsweise unter Verwaltung gestellt und Kaufmann Sigmund Adelung in Fürth als Zwangsverwalter bestellt.

   
1919

Den Kaufleuten Carl Schmidt in Nürnberg und Karl Kamm in Fürth ist per 11. April 1919 Gesamtprokura erteilt.

Der Gesellschafter Julius Kohnstam ist am 22. Oktober 1919 aus der Gesellschaft ausgeschieden.

   
1920 Am 13. Januar 1920 ist das Amt des Zwangsverwalters Sigmund Adelung erloschen.
   
  Emil Kohnstam heiratet im April 1920 in Pilsen die Margarethe Grüner ((* 6. März 1897 in Pilsen, Republik Tschechien; † 27. April 1984 in Harrow, Greater London), Tochter des Ignatz Grüner und dessen Ehefrau Eugenie, geb. Fürth.
  Das Ehepaar hat den Sohn Georg Kohnstam (* 25. Dezember 1920 in Fürth; † 21. Juni 1997 in Durham, County Durham)
   
     Zinn- und Bleifiguren sowie Zinnspielzeug aus dem Katalog 1928/1930
   
1928  Martha Kohnstam, geb. Kohn stirbt am 19. Mai 1928 mit 50 Jahren. 
   
1931 Zum 16. Dezember 1931 ist die Gesamtprokura des Carl Schmidt und Karl Kamm erloschen.
   
1933 Ende Juli 1933 zieht Margarethe Kohnstam mit dem Sohn Georg Kohnstam nach Berlin und setzt sich von dort aus nach England ab.
Emil Kohnstam folgt ihr am 1. Oktober 1933, kommt mit seiner Familie bei seinem Bruder Julius Kohnstam unter und läßt sich dann in Gerrards Cross in der Nähe von London nieder.
Er stirbt dort am 5. Mai 1958.
   
1934 Willy Kohnstam stirbt am 5. Januar 1934 mit 65 Jahren.
   
 
   
 
  Anzeigen in der Nordbayerischen Zeitung vom 8. Januar 1934
   
  Emil Kohnstam emigriert nach England (Gerrards Cross, Buckinghamshire)
   
1937

Per 12. März 1937 wird die Firma M. Kohnstam & Co. von Amts wegen gelöscht.

Karl Kamm, Kaufmann in Fürth, hat Einzelprokura.

Die Prokura des Karl Kamm und Karl Redelsheimer ist erloschen.

   
1938

Das Firmengebäude in der Nürnberger Straße 56 und 58 wird von Gustav Schickedanz (Quelle) als einzigem Bieter für 100.000 RM von der Dresdner Bank, die die Arisierung der Firma M. Kohnstam & Co. übernommen hat, "ersteigert", obwohl die beiden Anwesen, die einen Komplex bilden, lt. Brandversicherung im Jahre 1936 mit 74.340 und 72.400 RM bewertet sind und einen Realwert von 200 - 250.000 RM haben.

   
1950

Gustav Schickedanz bezahlt im Mai 1950 den Kohnstam-Nachkommen nach einem Vergleich 14.400 DM und die Bayerische Bank für Handel und Industrie (vorm. Dresdner Bank) 15.000 DM.

   
 

Quellen:

Firmen- und Gesellschaftsregister des Amtsgerichts Fürth - Registergericht

Stadtarchiv Fürth

Landesamt für Finanzen - Landesentschädigungsamt München

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München

Bussines Directory of London 1884 online (University of Leicester)

Kurt Harrer: Lexikon Blech-Spielzeug, Alba Buchverlag GmbH & Co. KG Düsseldorf, 1982

Bieographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Band I, Stadtarchiv München 2003 (Sofie Büchenbacher)

Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank und die deutschen Juden, R. Oldenbourg Verlag München 2006, S. 202

Rüdiger Dingemann/Renate Lüdde: Die Quelle Story, C. J. Bucher-Verlag GmbH. München, 2007

Peter Zinke: "Er drohte wieder mit der Gauleitung" - Gustav Schickedanz und die "Arisierungen" in nurinst 2008, ANTOGO-Verlag Nürnberg

Dr. Eckart Dietzfelbinger: "Warum braune Flecken kein Makel blieben: Anmerkungen zum Fall Gustav Schickedanz" in transit # 2/2008, Verlag testimon, Nürnberg

Helmut Schwarz: "Mut zum Handel(n) - Moko - Geschichte des Exporthauses M. Kohnstam & Co." in Pieter Kohnstam: Mut zum Leben -Eine Familie auf der Flucht in die Freiheit", Franconia Judaica Band 10, Ergon Verlag, 2016

Webseite Dolls Houses Past & Present

Webseite Sammeln-Sammler

Webseite pieterkohnstam

Webseite balouka.net

Webseite home.arcor.de/kerstinwolf/fürth (Steuersteckbriefe durch das Finanzamt Fürth)

Webseite trees.ancestry.de

Webseite Geni.com

   
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Registergericht Fürth EUR 10,00
Stadtarchiv Fürth: Register der Fabriken und Verzeichnis des königl. Rentamts Fürth über die in der Stadt Fürth vorgekommenen Veränderungen am Häuserbesitz EUR 10,45 (anteilig)
ancestry EUR 8,00 (anteilig)
   
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