Langenbach, Friedrich Wilhelm, Nürnberg

   Nürnberger Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach, Nürnberg

   Nürnberger Zinn-Compos. Figuren-Fabrik Fried, W. Langenbach, Nürnberg 

   Spenkuch, Georg, Nürnberg - Seite 1

 

 

1814              Friedrich Wilhelm Langenbach wird am 17. Mai 1814 in Erlangen als Sohn des Sattlermeisters

   Ferdinand Langenbach geboren.

 

1832              Er kommt als Graveur nach Nürnberg.

 

1842              Georg Friedrich Ludwig Ernst, der später als Geldgeber in die noch zu gründende Nürnberger

   Compostionsfigurenfabrik einsteigen wird, ist zu der Zeit Eigentümer des Hauses 172

   Oberwöhrdstraße und betreibt dort als Wirth und Weinschenk die Wirtschaft "Bärleinhuter".

 

1845              Am 9. April 1845 stellt er ein Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesuch, in dem es u. a.

   heißt: Ich befinde mich seit 13 Jahren als Graveur in hiesiger Stadt und erteile auch seit 1 1/2

   Jahren Unterricht in der Fechtkunst ... In erster Beziehung arbeite ich vorzugsweise für den

   Portefeuillefabrikanten Leitzmann in der Mohrengasse, Portefeuillefabrikanten Baumbach in der

   Ledergasse, Goldbordürenfabrikanten Roeser in der Karolinenstraße und den Buchbinder und

   Galanteriearbeiter Daucher in der Kaiserstraße und verdiene ungefähr 600 fl. jährlich, in letzterer

   Beziehung bemerke ich, daß es bakannt ist, daß ich dahier Fechtunterricht erteile und es kann

   sich mein jährlicher Verdienst auf 150 fl. belaufen ...

   ... daß außer dem Graveur Dallinger, Pius Andreas, keiner sich hier befindet, welcher die

   Wappen und Siegel verfertigt, was auch meine Gebiete sind und daß derselbe nicht im Stande

   ist, den Bestand zu leisten. Und was die gröberen Arbeiten auf Stahl, Walzen, Stanzen u. dergl.

   betrifft, so wurde soches außer mir von niemanden dahier geleistet.

 

   Der Graveur F. W. Langenbach gehört mit einem Wochenlohn von 10 bis 15 fl. zu den finanziell

   besser gestellten Nürnberger Handwerkern. Er besitzt ein Vermögen von 150 fl. in bar, einen

   Schuldschein der Witwe Schenk über 200 fl. und Einrichtungsgegenstände im Wert von ca. 341 fl.;

   von seinen Eltern sollte er bei der Ansässigmachung zusätzlich 1000 fl. bekommen. 

 

   Am 16. Mai 1845 wird diesem Gesuch durch den Nürnberger Stadtmagistrat entsprochen.

 

   Friedrich Wilhelm Langenbach und seine Braut, die kinderlose Witwe Karolina Sophia

   Elisabeth Döderlein, geborene Riegel (* 19. Februar 1809 in Sulzbach; † 26. September 1871),

   die ein Vermögen  und Mobiliar im Wert von 300 fl. mit in die Ehe bringt, heiraten am 20. Mai 1845

   und leben nach wie vor im Haus S 536 in der Burgstraße, das dem Kupferdrucker Karl Joseph

   Berg gehört.

 

1850              Georg Friedrich Speiser ist Eigentümer der Firma Schmidthammer sel. Sohn & Cie.

   (Manufakturwaaren, Commission- und Spedition) in L 273 Waizenstraße. Sein Sohn Johann

   Leonhard Heinrich Speiser ist dort angestellt.

 

1852              Johann Leonhard Heinrich Speiser ist jetzt Eigentümer der Großhandlung Schmidthammer

                       sel. Sohn und Cie.       

 

1853              Im März erwirbt das Ehepaar Langenbach das Haus S 444, spätere Hausnummer 12 in der

   Bergstraße von dem Marktassistenten Andreas Pflaum und ziehen dorthin um.

 

1854              Johann Leonhard Heinrich Speiser  gründet zusammen mit Friedrich Wilhelm Langenbach    

   die Nürnberger Compositionsfigurenfabrik im Gebäude L 273 Waizenstraße.

   Speiser handelt nach wie vor mit Manufakturwaaren

   Am 28. März 1854 reicht Speiser bei der Regierung von Mittelfranken ein Gesuch um die

   Conzession zur Errichtung einer Fabrik mit Compositionsfiguren ein.

   Diese Fabrikkonzession wird Speiser am 12. Juli 1854 erteilt und wie folgt begründet: 1. die

   fraglichen Compositionsfiguren bilden einen Handelsartikel, welcher sich des bedeutendsten

   Absatzes nach allen Weltgegenden erfreut, 2. Speiser beabsichtigt die Produktion im Großen

   durch Arbeitstheilung, also fabrikmäßig, 3. derselbe besitzt das zu diesem Fabrikationszweige

   erforderliche Vermögen, 4. die Vorsteher des Handelsstandes haben sich mit dem Magistrate für

   das Gesuch begutachtend ausgesprochen ...

 

1857              Speiser verzichtet auf seine Fabrikkonzession und überläßt Fabrikeinrichtung und Warenvorräte

   Langenbach und dem Bierwirth Georg Friedrich Ludwig Ernst.

                       Am 1. Dezember 1857 stellen die beiden ein Fabrikkonzessionsgesuch: Wir, Langenbach und

   Ernst sind entschlossen, die fragliche Fabrik gemeinschaftlich, wie bisher mit der Firma

   "Nürnberger Compositionsfigurenfabrik" fortzusetzen und nachdem Speiser einen unbedingten

   Verzicht auf seine Conzession geleistet hat, stellen wir die unterthänigste Bitte, uns beiden die

   Conzession zum Fortbetriebe dieser Fabrik unter der bisherigen Firma zu ertheilen. Ich,

   Langenbach, werde auch ferner den technischen Theil der Fabrik besorgen, ich Ernst, den

   merkantilistischen Theil, ... Die Fabrik, die wir zu übernehmen gedenken, ist in gutem Gange, wir

   beschäftigen 5 Arbeiterinnen innerhalb der Fabrik und 18 - 20 Malerinnen außer dem Hause.  

   Das Fabriklokale ist in meinem, des Langenbach Hause, S 444, worinnen sich der erforderliche

   Gießofen befindet und da die übrigen Verrichtungen blos in Handarbeiten bestehen, so sind

   Maschinen nicht vorhanden und auch nicht erforderlich.

 

   Mit ca. 25 Arbeiterinnen gehört der mittlere Handwerksbetrieb zu den größeren

   Zinnfigurenherstellern in Nürnberg.

 

   Langenbach und Ernst haben ein gemeinsames Kapital von ca. 13000 fl.

   Ernst bringt davon 9800 fl. in die Firma ein; er besitzt auf der Lorenzer Stadtseite das Haus L1328

   Lottergasse (er betreibt dort als Bierwirth den sogenannten Schützenhof) und einen Anteil von 3800

   fl. an dem Haus Nr. 147 Lange Zeil in St. Johannis (als Privatier).

   Langenbach hat ein Vermögen von 3000 fl., wobei auf sein für 4000 fl. erworbenes Haus, das

   noch mit einer Hypothek von 1800 fl. belastet ist, 2200 fl. entfallen. Die restlichen 800 fl. investiert er

   in einen Grundbesitz in Mögeldorf.

 

  

   Etikett Langenbach & Ernst mit Firmenzeichen "LE" (umgedrehtes "L") - Spielzeugmuseum Nürnberg 

    

 

1862              Georg Friedrich Ludwig Ernst scheidet aus dem gemeinsamen Betrieb aus.

   Am 7. Oktober 1862 wird der Graveur und Compositionsfigurenfabrikant Friedrich Wilhelm

   Langenbach der Alleininhaber der "Nürnberger Compos. Figuren-Fabrik Fried. W.

   Langenbach". Die Hauptniederlassung der Firma befindet sich in Nürnberg.

 

1866              Im Fränkischen Kurier vom 19. Dezember 1866 und in der Ausgabe vom 20. Dezember 1866

   erscheint das Inserat:

   "Einem verehrten Handelsstande empfiehlt ihr Lager von Zinnfiguren zur gefälligen Abnahme

   unter Zusicherung billigster Preise.

   Nürnberger Compositionsfiguren-Fabrik

   F. W. Langenbach    S. 444" 

 

1867              Im Handels-Adreßbuch von Nürnberg ist nun als Adresse S 404 Füll angegeben (dies dürfte ein

   Druckfehler sein!).

 

 

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