Otto, Johann Daniel - Mannheim
   
  Rud. O. Wolff schreibt in Der Standhaften Zinnsoldat, Heft 12, 1936, zu einer Zinnfigurenausstellung im Darmstadter Schloßmuseum u. a.: "Auch zwei Graveure der engeren Heimat sind vertreten in Neugüssen ihrer alten Formen, Weißbrod-Röhn-Heidelberg und J. D. Otto, Mannheim. Beide um 1840."
Heinz Schenzle schreibt: "Formen an Schloßmuseum Darmstadt" - Lt. Frau Alexa Christ von der Leitung des Museums (6. Juli 2015) sind dort Formen für Zinnfiguren nicht vorhanden.
 
   
1816 Der von Braunschweig gebürtige Bürger und Zinngießer, im Jahr 1816 angeblich 28 Jahre alte (= * 1788) Georg Wilhelm Otto heiratet am 24. April 1816 die von Mannheim gebürtige, im Jahr 1816 angeblich 26 Jahre alte (= * 1790) Anna Christina Scheller († 22. Oktober 1855).
Das Ehepaar hat die Kinder: Henriette Friederike Dorothe Catharina Otto (* 15. Juni 1816; † 3. Oktober 1888), Friedrich Carl Otto (*† 11. August 1817), Heinrich Carl Leonhard Otto (* 20. September 1818; † 7. März 1827);  Friedrich Wilhelm Otto (* 19. Januar 1820), Louise Sophia Otto (* 10. Februar 1822; † 7. Februar 1827), Anna Maria Franziska Otto (* 19. Mai 1823; † 7. März 1825), Johann Daniel Otto (* 18. September 1825), Magdalena Otto (* 15. August 1827; † 16. August 1827) und Friedrich Bernhard Theodor Otto (* 9. Juli 1831).
   
1841 Friedrich Wilhelm Otto ist ab 1. September 1841 Mannheimer Bürger.
   
1842 Er heiratet am 24. Juli 1842 die Gertrude Friederike Reinle (* 9. Januar 1820 in Mannheim).
Das Ehepaar hat den Sohn Friedrich Wilhelm Georg Otto (* 19. Februar 1843).
   
1843 Am 21. April 1843 stirbt der Bürger und Zinngießer Friedrich Wilhelm Otto.

Er hinterläßt lt. Siegelungs-Protokoll vom 2. Juli 1843 der Witwe mit ihrem 9 Wochen alten Kind u. a. diverse Zinnwaren:
"7 Suppenschüsseln mit Henkel, 10 dito ohne Henkel, 12 Blatten, 2 Nachtgeschirre, 6 Suppenteller, 2 Trichter, 9 Vorleglöffel, 6 Gemüselöffel, 18 Esslöffel, 6 Kaffeelöffel, 3 Löffelblech mit 18 Löffel, 7 Leuchter, 3 Maasbecher, 2 Lampen, 1 Bettflasche, 6 Kaffeetassen, 1 Kelch, 9 ..?.., 2 kleine Suppenschüsseln mit und 2 dito ohne Henkel, 18 Vorleglöffel, 5 ..?.., 2 Löffelblech mit 4 Löffel, 1 Barbierschüssel, 2 Barteisen, 43 Schachteln Spielzeug, 3 Kaffeetassen.
[Man beachte: Im Nachlass sind zwar 43 Schachteln Spielzeug, aber keine Formen für Zinnfiguren oder Gebrauchsgeschirr] 
   
  Die Beerdigung kostet die Witwe 26 fl. 8 kr.
   
  Der Oberbürgermeister Eduard Moll schlägt am 22. Mai 1843 vor, den Großvater Georg Wilhelm Otto als Aufsichtspfleger für den 9 Wochen alten Friedrich Wilhelm Georg Otto einzusetzten. Georg Wilhelm Otto wird am 6. Juni 1843 dazu berufen.
   
1847 Georg Wilhelm Otto beteiligt sich an der Gewerbeausstellung für das Großherzogthum Baden in Karlsruhe mit verschiedenen Gegenständen aus einer Mischung von Zinn, Zink und Blei.
   
1852 Johann Daniel Otto ist ab 5. Oktober 1852 Mannheimer Bürger.
   
1854 Er heiratet am 20. April 1854 in Heidelberg die Maria Barbara Lauinger (* 20. Januar 1827 in Petersthal; † 25. Februar 1872 in Mannheim).
Das Ehepaar hat die Kinder: Johanna Auguste Eleonora Otto (* 11. April 1855; † 8. August 1875), Christiane Katharina Otto (* 26. Juni 1857), am 14. Juni 1902 mit dem hiesigen Kaufmann Valentin Manger verheiratet, Carl Friedrich Otto (* 28. September 1859, schwachsinnig), Georg Mathias Michael Otto (* 6. April 1862), ab 4. Juni 1887 verheiratet mit Anna Maria Fritz, Maria Pauline Otto (* 13. Juli 1864; † 22. Juli 1901 in Stockerau), am 16. Oktober 1890 mit dem hiesigen Kaufmann Valentin Manger verheiratet und Ida Berta Wilhelmina Otto (* 1. Mai 1868; † 27. August 1869).
   
1860 Georg Wilhelm Otto stirbt am 10. März 1860.
   
1863 Friedrich Bernhard Theodor Otto ist ab 18. August 1863 Mannheimer Bürger.
   
1887 Georg Mathias Michael Otto wird Zinngießermeister.
   
1906 Er gibt das Handwerk auf.
   
1907 Der General-Anzeiger (Badische Neueste Nachrichten) Nr. 540 vom 19. November 1907 meldet:
"Auslosung. Herr Zinngießer J. D. Otto, ein alter Mannheimer Bürger und Feuerwehrveteran, zurzeit 82 Jahre alt, hatte vor kurzem ein von ihm selbst verfertigtes Modell des hiesigen Kaufhauses öffentlich ausgestellt, das allgemeine Anerkennung fand. Das Großh. Bezirksamt hat nun Herrn Otto die Erlaubnis zur Auslosung des Modells gegeben. Es sollen 1000 Lose à 30 Pfg. ausgegeben werden. Als 2. Preis kommt hinzu das Modell des alten Heidelberger Tores, als 3. Preis jenes des alten Rheintores. Es wäre zu wünschen, daß der Loseabsatz ein recht reger wird, damit der alte Herr für die aufgewendete Mühe eine Anerkennung findet."
   
1915 Im General-Anzeiger (Badische Neueste Nachrichten) Nr. 449 vom 16. September 1915 steht:
"Neunzigster Geburtstag. Einer unserer ältesten Gemeindebürger, Herr Zinngießer Joh. Daniel Otto, kann am Samstag, 18. September, bei bestem Wohlbefinden seinen 90. Geburtstag feiern. Der "Alte Otto", wie man den ehrwürdigen Greis kurzweg zu nennen pflegt, ist der älteste aktive Feuerwehrmann Deutschlands. Er ist Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Mannheim, wurde damals als Schlauchführer in die 2. Kompagnie eingeteilt und kann jetzt auf eine 65jährige ununterbrochene aktive Dienstzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückblicken. Joh. Daniel Otto zählt auch zu den Mitbegründern des Mannheimer Altertumsvereins, gehörte er doch zu der Stammtischgesellschaft im ehemaligen "Silbernen Anker" in T 1 Nr. 1 (jetzt Warenhaus Kander), welche den Altertumsverein ins Leben rief. Der Stammtisch selbst ist in der Sammlung des Altertumsvereins aufbewahrt. Indem wir dem "Alten Otto" schon heute die herzlichsten Glückwünsche zu seinem 90. Geburtstage darbringen, verbinden wir damit den weiteren Wunsch, daß ihm noch ein beschaulicher Lebensabend bei gleich guter Gesundheit beschieden sein möge."
   
1916 Johann Daniel Otto stirbt am 10. Januar 1916.
   
     Anzeige im General-Anzeiger (Badische Neueste Nachrichten) Nr. 29 vom 19. Januar 1916
   
  Im General-Anzeiger (Badische Neueste Nachrichten) Nr. 29 vom 19. Januar 1916 wird der Nachruf veröffentlicht:
"Johann Daniel Otto †. Johann Daniel Otto, der älteste aktive deutsche Feuerwehrmann, ist am 20. Jan. d. J. infolge eines Unglücksfalles gestorben. Der "Alte Otto" fiel im Bezirksamtsgebäude eine Treppe herab und erlitt einen Schädelbruch. Mit Johann Daniel Otto ist einer unserer ältesten Stadtbürger aus dem Leben geschieden.
Bis zum Jahre 1838 wußte man auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens, von einer zweckmäßigen Ausbildung, einer geschulten Mannschaft in Mannheim, wie in allen Gemeinden Badens, nichts. Was in jener Zeit geschah, entsprang dem Gebote der Staatsgewalt. Erst im Jahre 1839, als die "Bleiweißfabrik" ausbrannte, bekam das Feuerlöschwesen in Mannheim eine andere Gestaltung. Der Stadtrat forderte die Bürger zum Eintritt in die zu errichtende Bürgerfeuerwehr - genannt Rotkappen (rote Blechkappen) - auf, welche einen starken Zulauf hatte. Zu dieser jungen Wehr zählte auch Johann Daniel Otto, geb. den 18. September 1825,
Wenn auch die Organisation der damals errichteten Löschmannschaft nicht den Anforderungen einer tüchtigen Feuerwehr entsprach, so war doch der Anfang dazu in der Korporation der sogenannten "Rotkappen" gemacht. Leider siechte die Wehr langsam dahin und nach wenigen Jahren war sie ganz verschwunden, die Bürgerschaft war ihr abgeneigt und von oben fehlte die nötige Unterstützung. Das entsetzliche Unglück des Karlsruher Theaterbrandes am 28. Febr. 1847, das 63 Menschen das Leben gekostet hatte, brachte in verschiedenen Kreisen der Bürgerschaft in Mannheim den Entschluß zur Reife, eine Umgestaltung des Feuerlöschwesens herbeizuführen, und zwar durch die Bildung eines freiwilligen und durch regelmäßige Uebungen geschulten Feuerwehrkorps. In Durlach bei Karlsruhe war bereits am 27. Jule 1846 eine freiwillige Feuerwehr begründet worden. Beim Theaterbrande in Karlsruhe fand das noch junge Korps mit einer Spritze Gelegenheit, sein Können zu zeigen.
Unterdessen faßte der damalige Oberbürgermeister Friedrich Reiß - Vater des verstorbenen Herrn Geheimrats Dr. Karl Reiß - im Stillen den Plan, eine freiwillige Feuerwehr nach dem Muster der Karlsruher zu gründen, jedoch mit Berücksichtigung der vorhandenen Löschgeräte einzurichten. Die Stadt besaß damals 5 große Spritzen und 2 Handspritzen . Am 28. Okt. 1851 kam die Sache zum Klappen. Der Gemeinderat beschloß, daß zur Organisation der freiwilligen Feuerwehr die Summe von 3060 fl. resp. 4000 fl. einstweilen verausgabt werden sollte. Veteran Otto wurde damals der Schlauchführer- und Retterabteilung zugeteilt, der er als aktiver Obmann, körperlich rüstig, geistig frisch, bis zu seinem Tode angehörte. Opferwillig und treu diente derselbe 65 Jahre im Dienste der Humanität. Seinem Wirken in der Feuerwehr wurde seitens des Stadtrates dankbar gedacht. Nach zwölfjähriger Dienstzeit wurde ihm ein Diplom, nach 20jähriger Dienstzeit ein Ehrenheil mit entsprechender Feierlichkeit überreicht.
Nach 25jähriger Dienstzeit wurde ihm das von Großherzog Friedrich I. im Jahre 1877 gestiftete Ehrenzeichen und nach 40jähriger Dienstzeit das von demselben gestiftete Ehrenzeichen von der Staatsbehörde feierlich überreicht. Als einzig noch lebender Mitbegründer der freiwilligen Feuerwehr war es ihm vergönnt, das 50jährige Jubiläumsfest in voller Gesundheit mitzufeiern. Als Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr gilt der 11. November 1851. Die 50jährige Jubiläumsfeier wurde mit Rücksicht auf die Jahreszeit, sowie die voraussichtliche Fertigstellung der städtischen Festhalle "Rosengarten" auf Sommer 1902 verlegt. Doch teilte dieses Fest das Schicksal vieler ähnlicher in Aussicht genommenen Veranstaltungen, indem es in anbetracht der Verzögerung der Fertigstellung der Festhalle abermals verlegt werden mußte. Der Termin zur Abhaltung wurde darnach auf 20., 21. und 23. Juni 1903 festgesetzt.
Veteran Otto wurde bei dieser Gelegenheit von der Staats- und städtischen Behörde, sowie von der freiwilligen Feuerwehr durch Ueberreichung von Geschenken hoch geehrt."
   
  Zinnfiguren:
nicht bekannt
   
  Quellen:
Stadtarchiv Mannheim (1. Johann Daniel Otto, ZGS_Mappe, Signatur: S 1 / 1702_Otto, Johann Daniel; 2. Vermögen des verstorbenen Wilhelm Otto und seiner Ehefrau Gertraud, geb. Reinle (1843). Bestand Verlassenschaftsakten. Signatur: 32/2001_05858;
Bericht über die Gewerbeausstellung für das Großherzogthum Baden, welche, durch den Gewerbeverein zu Karlsruhe veranstaltet, im September 1846 daselbst stattfand, bearbeitet von Rudolph Dietz, Karlsruhe, 1847 (Google books)
Erwin Hintze: Die deutschen Zinngießer und ihre Marken, Band VI, Süddeutsche Zinngießer, Teil II, Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931
Rud. O. Wolff: Zinnfigurenausstellung im Darmstadter Schloßmuseum, in Der Standhafte Zinnsoldat, Heft 12, 1936
Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985
Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987
   
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