Frank, Ludwig, Nürnberg - Seite 1
Johann
Ludwig
Frank
(*
24.
August
1870
in
Nürnberg;
†
4.
Oktober
1957
in
Nürnberg)
1869 Am 15. August 1869 heiratet der Drechsler Johann Frank (* 15. August 1844), ev., Aufenthalt
Maxfeld 91, die Ökonom-Tochter Philomena (Mina) Weinfurtner (* 10. Januar 1847), kath.,
Aufenthalt Zwiesel, zukünftiger Aufenthalt Thon 25, beide "zuletzt wohnhaft in Nürnberg".
1870 Johann Ludwig Frank wird am 24. August 1870 in Nürnberg geboren und wird "einige Wochen
alt" an die Pflegeeltern Johann und Magdalene Weyh abgegeben, die für ihn die Elternstelle
übernehmen.
1879 Ab dem 9. Lebensjahr Mal- und Zeichenunterricht bei Friedrich Trost d. Ä.
1885 Vom 1. Mai 1885 bis August 1888 Lehre als Zinnfigurengraveur bei Albrecht Christian
Alexander Wilhelm Städtler.
1888 Er erhält für außerordentliche Leistungen den Wittelsbacher-Preis.
1889 Geselle bei Christoph Ammon, dann Wanderschaft bis 1893 nach Dresden, Berlin und bei Carl
Scheller in Kassel. Er ist in Nürnberg in der Judengasse 34 als Graveur gemeldet.
1893 Er arbeitet für Ernst Heinrichsen.
1896 Er heiratet am 29. November 1869 in Sündersbühl (späterer Stadtteil von Nürnberg) die Marie
Babetta Sixt.
1898 Er kündigt die Stelle bei Ernst Heinrichsen und graviert ab 1. Februar 1898 bis 31. Januar 1899
für die Firma J. Haffner's Nachf..
1899 Von Februar bis Oktober 1899 graviert er Formen für 4,5 cm hohe halbplastische Figuren zum
Krieg von 1870 für eine Ausstellung in Berlin. Ab dem 26. November 1899 arbeitet er als
selbständiger Graveur in Metall und Schiefer und graviert bis Oktober 1924 fast sämtliche Formen
für Ernst Heinrichsen.
1902 Er wohnt in der Johannisstraße 30a in der Nähe der Firma Ernst Heinrichsen.
1924 Er graviert nun für die Firma Georg Spenkuch.
1957 Johann Ludwig Frank stirbt am 4. Oktober 1957 in seiner Wohnung in Nürnberg,
Frauenholzstraße 16, an Altersschwäche.
Inserat
1927
(Die
Zinnfigur)
Inserat
1928
(Die
Zinnfigur)
Biebel, Berlin-Steglitz, schreibt in der Zinnfigur 1928:
Ludwig Frank
Jahrzehnte hindurch waren uns wohl die Namen der Firmen bekannt, die uns unsere Figuren für unsere Liebhaberei lieferten. In den seltensten Fällen war der Inhaber der Firma gleichzeitig auch Hersteller der Formen seines Fabrikats. Die Graveure, die diese künstlerische Arbeit leisteten, sind teilweise mit den Jahren in Vergessenheit geraten. Unsere vornehmste Pflicht heischt nun diese[s] Versäumnis nach[zu]holen und so möchte ich mit dem beginnen, der wohl das schönste und beste auf diesem Gebiet gleistet hat und noch leistet. Schwer war es, ihn zu bewegen, mit seinem Lebenslauf in die Oeffentlichkeit zu treten. Nun war Herr Frank so liebenswürdig, mir diesen einzusenden. Ich möchte ihn daher mit seinen eigenen Worten seine Lebensarbeit schildern lassen.
"Nachdem in den letzten Jahren bei den Besprechungen über die Neuerscheinungen an Zinnfiguren mein Name und meine Person schon öfters in anerkennendster Weise genannt wurde, hat sich schon des öfteren von verschiedenen, der Sache nahestehenden Herren der Wunsch herausgebildet, doch schließlich auch einmal etwas Näheres über meine Lebensarbeit zu hören; nicht zuletzt hat sich auch Herr Major Müller als Leiter der Geschäftsstelle des Bundes "Clio" schon seit Jahr und Tag in diesem Sinne bemüht.
Obwohl ich eigentlich im allgemeinen derartigen Veröffentlichungen nicht ganz sympathisch gegenüberstehe, würde ich es andererseits doch auch wieder als nicht angebracht halten, wenn ich mich gegenüber den freundlichen Anregungen, die mir hierüber zukommen, weiterhin ablehnend verhalten würde. So will ich nun in Gottes Namen niederschreiben, was ich in Bezug auf meine Lebensarbeit von mir selbst weiß, und wenn man die Passhöhe des Lebens überschritten hat, so wird es vielleicht auch nicht als Ueberhebung betrachtet werden, wenn man einmal den Blick zurückschweifen läßt auf all das, was hinter einem liegt und ob man das Ziel, das man sich vorgenommen, auch erreicht hat.
Wenn ich heute auf die vergangene Zeit zurückblicke, kommt es mir immer wieder in den Sinn, daß ich all das, was ich geworden bin, nächst Gott meinen lieben Pflegeeltern, Johann und Magdalene Weyh, die selbst in den kleinsten Verhältnissen lebten, zu verdanken habe. Sie haben den nur einige Wochen alten Knaben mit aller Liebe und Sorgfalt gepflegt und groß gezogen. Ihnen sollen vor allem diese ersten Zeilen meiner Niederschrift in treuem Gedenken gelten.
Als ich am 24. August 1870 das Licht der Welt erblickte, lag mein liebes altes Nürnberg noch in seinem Dornröschenschlaf und das allermeiste, was heute schon längst verschwunden, stand damals noch in seiner mittelalterlichen Schönheit, die alten längst verschwundenen Stadttore, die Stadtmauern, die Patrizierhäuser und die sonstigen Gebäude in den engen und engsten Gäßchen, und dies alles von unserer stolzen Hohenzollernburg überragt. Wenn sich die Nacht über die Stadt und ihre Häuser senkte, dann wurde es überall so heimlich still und die Stadt lag im Zauber der vergangenen Jahrhunderte. Ein bezauberndes Bild war es auch, wenn das Landvolk in seinen malerischen Trachten die Stadt bevölkerte, und nicht selten sah man auch manchen Einwohner in der alten väterlichen Tracht.
Ich setze dies alles voraus, um darzulegen, welchen Eindruck ich schon von frühester Jugend auf bekam und daß dies alles für mein späteres Leben bestimmend war. Es gab kein wunderbareres Bild, als wenn sich in Nürnberg anläßlich des Besuches der hohen und höchsten Herrschaften historische Festzüge abspielten, z. B. die berühmten Hans-Sachs-Festzüge usw.
Dies also war das Milieu, in dem ich aufwuchs und es war kein Wunder, daß sich bei mir der Sinn für Geschichte allgemein stark herausbildete, wozu auch das Germanische Museum nicht wenig beitrug.
Die weiteren Jahre verliefen wie bei jedem Buben, ich kam in die Volksschule und saß dort meine Jahre mit sehr gutem Erfolge ab. Schon in meinem 9. Lebensjahr ließ mich mein lieber Vater, der sich viel mit Kunst, namentlich in München und Wien abgegeben hat, wenn auch nicht selbst ausgeübt, Zeichenunterricht geben und da ich dabei nicht ungeschickt war, ließ er diese meine gute Anlage zum Zeichnen in den nächsten Jahren bei dem weit über Nürnbergs Mauern bekannten Kunstmaler Fr. Trost weiter ausbilden.
So kam es, daß ich im Zeichnen überall der erste war. Mit der Zeit machte sich nun auch die Frage geltend, was ich einmal werden sollte und es war nur natürlich, daß ich den Wunsch äußerte, Maler zu werden, stand doch die Nürnberger Kunstschule, das Ziel meiner Sehnsucht, in der Nähe meiner elterlichen Wohnung. Meine lieben Eltern waren anfangs damit einverstanden, doch mit der Zeit wollten die wirtschaftlichen Verhältnisse dazu nicht ausreichen. Nun war inzwischen meine Entlassung aus der Schule herangekommen, doch ich zeichnete noch lange zu Hause fleißig im Unterricht.
Aber schließlich mußte der Traum vom Maler doch fallen gelassen werden, denn die Kräfte reichten nicht, für die Kosten aufzukommen, und so geschah es eines Tages, es war im Februar 1885, daß in einem Inserat ein Graveurlehrling gut im Zeichnen, gesucht wurde. Näheres Johannisstraße 19. Mein lieber Vater packte meine Zeichnungen zusammen und marschierte los; er wurde in der Zinnfigurenfabrik Heinchrichsen zu Herrn Städler [Städtler], dem damaligen Graveur der Firma, gewiesen. Meine vorgelegten Zeichnungen fanden vollsten Anklang und nach langen Beratungen zu Hause stellte ich mich in den nächsten Tagen selbst vor. Mein Traum vom Maler war zu meinem größten Schmerz ausgeträumt, doch die Liebe zur Farbe habe ich nie verloren und in meinen Mußestunden, wo es nur ging, doch immer gemalt.
Herr Städler [Städtler] hatte sich am 1. Mai 1885 selbst etabliert, doch wurde bei ihm nur für Heinrichsen gearbeitet, es wurde bei der Firma Heinrichsen auch kein weiterer Graveur mehr eingestellt. Am 1. Mai 1885 trat ich nun in die Lehre bei Herrn Städler [Städtler] und seit dieser Zeit hat meine Tätigkeit, mit Ausnahme einiger Jahre, bis Ende des Jahres 1924 der Firma Heinrichsen gehört, also fast 35 Jahre.
Freilich war in der ersten Zeit meiner Tätigkeit, was ja selbstverständlich ist, keine hervorragende, denn früh übt sich, was ein Meister werden will und die Zeit brachte es mit sich, daß es allmählich besser wurde und in den letzten 1 1/2 Jahren war ich so ziemlich mit meiner Ausbildung fertig.
Obwohl mir die Arbeiten, welche in meiner Lehrzeit angefertigt wurden, zum größten Teil bekannt sind, will ich dieselben doch nicht alle im einzelnen hier bekannt geben, weil meine eigene Tätigkeit an denselben doch immer nur eine beschränkte war. Meine Lehrzeit wurde nun freilich in ausgiebigster Weise benützt und die freien Sonntage während dieser Zeit waren sehr selten, denn fast jede freie Stunde wurde benützt, um mich im Zeichnen auszubilden. Ein Wunsch meiner Jugend erfüllte sich insofern, als ich mit größtem Stolze im Herbst 1885 die kgl. Kunstgewerbeschule nach eingehender Prüfung durch die Direktion mehrere Jahre im Ornament, Antike und zuletzt im Akt-Zeichnen besuchen konnte. Nebenher ging ich in den Abendstunden in die Baugewerkschule, wo ebenfalls Zeichnen und Modellieren gelehrt und geübt wurde. Alle anderen freien Stunden
wurde zu Hause gezeichnet und gemalt. Meine Vorbilder waren in dieser Zeit namentlich Klein's Radierungen, wie französisches Fuhrwerk, wallachisches Fuhrwerk, usw., sowie seine Tierstudien in Federzeichnungen; Camphausen , Bleibtreu, Piloty, Ritter, A. v. Werner mit seinen herrlichen Illustrationen zum Trompeter von Säkkingen [Säckingen], ferner noch viele andere Historienmaler und Zeichner und zuletzt kam noch mein treuester und liebster "Ludwig Richter". So verging die ganze Lehrzeit mit Studien und Uebungen im Zeichnen und Malen. Die Erfolge traten allmählich immer besser hervor und ich wurde zu immer schwierigeren Arbeiten herangezogen. Die Zeit des Auslernens rückte immer näher und mit ihr das Ziel, die Lehrlingsausstellung im August 1888. Monate vorher wurde schon dafür gezeichnet und gemalt (alles Federzeichnungen in Radiermanier), doch die Mühe wurde auch belohnt. Bei der Preisverteilung wurde ich als erster für ganz hervorragende Leistungen in der Graveur- und Zeichenkunst mit dem Wittelsbacher Preis (eine damals ganz seltene Auszeichnung) prämiiert. (Die gravierte Form befindet sich heute noch im Besitze der Firma Heinrichsen.) Das Ziel war erreicht und die Freude meiner Eltern groß, erhofften sie sich doch nun durch mich eine Besserung ihrer Lage. Im Oktober 1888, es werden also in diesem Jahre 40 Jahre, hatte ich laut Zeugnis meines Lehrmeisters zur größten Zufriedenheit ausgelernt - und 14 Tage später (so war die Kündigung) lag ich mit meinem Wittelsbacher Preis und aller die Jahre aufgewandter Mühe und dem Fleiß auf der Straße! Warum? Und weiterhin konnte doch wirklich der Lehrling von gestern heute noch kein fertiger Mensch sein.
Meine lieben Eltern traf dieser Schlag hart, umsomehr, da sich mir lange Zeit keine Aussicht bot, irgendwie unterzukommen. Die Kunstschule wurde noch bis Ende des Semesters besucht. Als es mir endlich im Februar och gelang, auf einige Zeit bei C. Ammon eintreten zu können und ich noch nicht den ersten Lohn heimbrachte, war mein lieber Vater, der so viel für mich getan, tot und nach einigen Monaten stand ich wieder vor dem Nichts. Es half alles nichts, meine liebe alte Vaterstadt bot mir für lange Zeit keine Lebensmöglichkeit und so faßte ich den Entschluß, Nürnberg im Mai 1889 zu verlassen. Nachdem ich in verschiedenen Städten, wie Dresden, Berlin
usw., wenn auch nicht immer auf Zinnfiguren, gearbeitet hatte, war meine letzte Beschäftigung in Kassel bei C. Schreller [Scheller].
Dort nun traf mich im Februar 1893 die Nachricht, daß mein Lehrmeister Städler [Städtler] seine Gravierwerkstätte für Heinrichsen einstelle, da er selbst eine eigene Fabrik eröffnete und daß, wenn ich wollte, bei Heinrichsen eintreten könnte. Und ob ich das wollte! Sofort wurde geschrieben und am 1. Mai 1893 trat ich dortselbst ein und blieb bis Ende Februar 1898. Mit dem 1. Mai 1893 begann nun eigentlich meine richtige Lebensarbeit und eine Reihe von Jahren reinen künstlerischen Schaffens. Herr Kommerzienrat W. Heinrichsen,
selbst ein Künstler im Gravieren und Zeichnen, blieb in steter Berührung mit seinem Graveur und es verging kein Tag, wo nicht sein erster Gang dem Graveur gegolten hätte. Da wurden nun die gravierten und gegossenen Figuren auf ihren künstlerischen Wert durchgeprüft und durchgesprochen, aber im allgemeinen lautete das Urteil: das haben Sie wieder sehr nett graviert. Gab es etwas Außerordentliches zu sehen und zu betrachten, so durfte ich sicher sein, daß es mir von Herrn Kommerzienrat gezeigt und erklärt wurde, wie ich auch auf die
künstlerischen Schönheiten aufmerksam gemacht wurde. So lernte ich auf diese Weise viele alte Figuren kennen und daß meine Kunst durch diese liebevolle Führung zur Vollendung reifte, brauche ich nicht erst zu sagen. So entstanden in dieser Zeit neben unzähligen Figuren der europäischen und andren Armeen und sonstigen Typen der verschiedensten Epochen:
Turnier um 1440 oder das Gesellenstechen zu Nürnberg nach einem alten Stuck im Rathaus
die Schlacht bei den Pyramiden
die Götterfiguren usw. zur Akropolis
Murten
die Schweizerzüge mit ihren verschiedenen Frachtwagen und Bagagewagen usw.
Römer mit ihren Wurfmaschinen, Ballisten
Negerleben im Dorf mit den Schmiede-Kochgruppen usw.
Elfenbeinhandel
Fehrbellin
Cowboy und Indianer
Franzosen und Bayern um 1700/20 usw.
Alles einzeln aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Aufsatzes viel zu weit überschreiten.