Verband deutscher Zinnfigurenfabrikanten, Sitz Nürnberg - Seite 9

 

 

Fortsetzung der Abschrift "Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein" (1934)

Das Zinnfiguren-Gewerbe hat deutsche Kunst zu einer Zeit hochgehalten, da man an amtlichen Kunststellen nur ein Naserümpfen für Alles hatte, was nicht Futurismus, Kubismus oder sonstige Moderichtung war. Hat das Gewerbe in jener Zeit Sinn und Verständnis für alte deutsche Kunst bewahrt und niemals auch nur einen Versuch unernommen jenen überstiegenen "Jsmen" irgend welchen Raum bei sich zu geben, so darf man ihm wohl jetzt einiges Vertrauen schenken. Wenn aber nicht, dann doch gleichmäßige Beurteilung und gleiche Schranken, gleiches Recht für Alle, ob Süd oder Nord, Metallfigur oder Massefigur.

 

 

Zusammenfassung

 

Der Zinnsoldat beansprucht keine besondere und ausnahmsweise Bedeutung; er ist trotz seines Marsches um die Welt "Nürnberger Tand", ja nur ein Stück Nürnberger Tand. Seine Verpflichtungen gegen sein Volk hat er nach seinem Können erfüllt. In der Vorkriegszeit hat er wohl 2000 Kräften in eigenem und in den Hilfsbetrieben ständig jahraus, jahrein durch viele Jahrzehnte hindurch Brot und Arbeit gegeben.

 

In den besseren Zeiten bestand in vielen Betrieben die Gepflogenheit, in stiller Zeit die Arbeitskräfte nicht auszustellen, sondern auf Vorrat arbeiten zu lassen. Erst durch Schleuderpreise ist solche soziale Betriebsführung ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Streiks und Aussperrungen sind in der ganzen Geschichte des Gewerbes nicht vorgekommen. Ausgesprochener Weise hat es der Verband Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten abgelehnt Verpflichtung zu etwaigen Aussperrungen zu übernehmen. Reich geworden ist wohl keiner der Zinnfiguren-Fabrikanten; die wenigsten haben sich vor dem biblischen Alter vom Geschäft zurückziehen können. Eine lange Reihe von solchen könnte aufgeführt werden, die trotz besten Willens im Betriebe gescheitert sind im Laufe der Zeiten.

 

Man spricht zuweilen leichthin vom "Umstellen". Wer jung ist, ohne Verantwortung für Familie oder aber genügend kapitalkräftig, der mag ja wohl "umsatteln" wie der Student oder der Festbesoldete, der in ein anderes sicheres Amt versetzt wird. Wer aber sein Leben lang in einem Gewerbe gearbeitet hat, wer in einem von den Vorfahren übernommenen Betrieb alt und grau geworden ist, und all sein Sinnen und Trachten, seine Lebensarbeit auf Förderung des Betriebs eingestellt hat, für den ist solcher Rat nicht viel mehr als der, seinem Leben alsbald freiwillig ein Ende zu machen.

 

Die Zinnfiguren-Industrie ist auf deutschem Boden, aus deutschem Handwerk und deutschem Gemüte entstanden. Deutsch war und ist die Liebe zum Werke, die Vertiefung in den Gegenstand, die Ausbreitung und Ausarbeitung einer an sich geringfügigen Sache zu weit gesteckten Zielen.

 

Deutsch ist die Bewahrung alten Erbgutes, die so verhältnismäßig viele Betriebe durch alle Zeitläufte hindurch von einem Geschlecht zum andern hat übergehen lassen. Deutsch ist insbesondere die Pflege und die Verbreitung des Wehrgedankens, seine Versenkung ins Gemüt der Jugend, die Pflege der Tradition, wie sie dem deutschen Zinnsoldaten von jeher ureigen waren. Selbst in den schlimmsten, rötesten Tagen gegenüber aller Bedrohung und aller systematischer Bekämpfung hat das Zinnfiguren-Gewerbe gerade diese Ziele stets unbeirrt verfolgt.

 

Deutsch ist endlich die Zähigkeit und Liebe mit welcher die in recht trüber Gegenwart Schaffenden festhalten an ihrem alten, ehrlichen Gewerbe. Möge ihnen trotz allen Stürmen und Zweifeln die Erhaltung der Zinnfiguren-Industrie gelingen!

Ende der Abschrift "Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein"

 

"Die Neuordnung der Deutschen Wirtschaft hat den bekannten seit 29 Jahren bestehenden Verband aufgelöst und ihn in der Fachgruppe 5 als Fachabteilung Zinn- und Massefiguren eingegliedert."

 

Quellen:

"Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein - eine volkswirtschaftliche Studie zum Nachdenken" herausgegeben im Auftrag des Verbands Deutscher Zinnfigure-Fabrikanten vor seiner Auflösung, Nürnberg 1934

Satzungen des Verbandes deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten, Sitz Nürnberg, Nürnberg 1905 und 1909

Sammlerbrief 94/II

Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft (Herausg.): Die Deutsche Spielwarenindustrie. Verhandlungen und Berichte des Unterausschusses für allgemeine Wirtschaftsstruktur, (I. Unterausschuß), 5. Arbeitsgruppe (Außenhandel), Berlin 1930

Paradestücke - Zinnfiguren aus Nürnberg und Fürth, Tümmels-Verlag, Nürnberg, 2000

Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Stadtarchiv Nürnberg C7/V-3894

Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Merkkleeberg b. Leipzig - 2. Jahrgang 1929 und

7. Jahrgang 1934

Daniela Kahn: Die Steuerung der Wirtschaft durch Recht - Das Beispiel der Reichsgruppe Industrie, Klostermann, Frankfurt/Main 2006

 

 

 

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